Die 9-Felder-Matrix Naturgestützter Interventionen
Nachdem wir für uns zuerst das Ordnungssystem Naturgestützter Verfahren in die Bereiche gegliedert hatten, denen die Aktivitäten & Interventionen zugeordnet werden können: Pflanzen, Landschaft, Tiere - geht es nun mehr um didaktische Grundlagen, zur Planung, Reflexion und Entwicklung geeigneter Aktivitäten, immer mit Blick auf die Zielsetzung auch im Sinne der ICF Förderbereiche und den Bedürfnissen der Teilnehmenden.
Die verschiedenen Verfahren wie Gartentherapie, Soziale Landswirtschaft oder Waldbaden arbeiten insbesondere mit mehr oder wenig gestalteten Orten (zb Innenraum, Gewächshaus, Garten, Park, Feld, Wald). Bislang wurde das alles unter Green Care subsumiert, oder herausgehoben wie Wald- / Gartentherapie. Bislang wurde auch das Handlungsniveau zu wenig differenziert, in der ICF ist das durchaus möglich, bei der Planung der einzelnen Aktivität. Wir bieten hier nun drei Handlungsniveaus, die bereits bei der Anamnese erfasst werden können, um individuell auf Bedürfnisse einzugehen. Menschen mit starkem Strukturbedürfnis werden hierbei berücksichtigt, ebenso Menschen die gerne mit sich in der Natur sind, ohne konkrete Aufgaben.
1. Systematisierung und Orientierung
Schafft Ordnung in der Vielfalt Naturgestützter Interventionen
Macht das breite Spektrum überschaubar und strukturiert zugänglich
Hilft Therapeut:innen, das eigene Methodenrepertoire zu reflektieren und zu erweitern.
2. Bedarfsgerechte Interventionsplanung
Ermöglicht individualisierte Therapieplanung je nach Klientenbedürfnissen:
Überforderung/Regeneration → rezeptiv/natürlich (zb Waldbaden)
Aktivierungsbedarf → aktiv/kultiviert (zb Gartentherapie)
Selbstwirksamkeit stärken → kreativ/halbnatürlich (zb Baumscheibe bepflanzen)
Die zwei Dimensionen erfassen zentrale therapeutische Entscheidungen gleichzeitig
3. Dosierung und Progression
Visualisiert therapeutische Steigerungsmöglichkeiten:
Von rezeptiv über aktiv zu kreativ (Handlungsmodus steigern)
Von kultiviert über halbnatürlich zu natürlich (Komplexität/Reizintensität erhöhen)
Ermöglicht schrittweises Heranführen an anspruchsvollere Settings
4. Ressourcenorientierung
Zeigt auf, wo Klient:innen ansetzen können:
Geringe Belastbarkeit? Start bei rezeptiv/kultiviert
Hohe Naturaffinität? Direkter Einstieg bei natürlich möglich
Macht Barrieren sichtbar (z.B. Mobilität → eher kultiviert)
5. Interdisziplinäre Kommunikation
Schafft gemeinsame Sprache für verschiedene Berufsgruppen (Ergotherapie, Sozialarbeit, Pädagogik, Psychologie)
Fördert Austausch über Interventionslogik und Wirkfaktoren
Erleichtert Begründung von Maßnahmen gegenüber Kostenträgern
6. Theoriebildung und Forschung
Bietet Rahmen für empirische Untersuchungen:
Welche Felder wirken bei welchen Zielgruppen?
Unterscheiden sich Wirkfaktoren zwischen den Feldern?
Ermöglicht systematische Dokumentation und Evaluation
7. Aus- und Weiterbildung
Didaktisch eingängig, leicht merkbar
Konkrete Beispiele machen abstrakte Konzepte greifbar
Regt zur Reflexion an: "Wo arbeite ich hauptsächlich? Was vernachlässige ich?"
Praktischer Mehrwert
Die Matrix ist kein starres Schema, sondern ein flexibles Denkwerkzeug, das hilft:
Interventionen gezielt auszuwählen
Blindspots im eigenen Angebot zu erkennen
Therapeutische Entscheidungen transparent zu machen
Innovation anzuregen ("Was fehlt noch in diesem Feld?")
